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Wanderarbeiter in Südkorea

(April 2011)
Die Republik Korea (Südkorea) benötigt für ihre moderne Industrie hunderttausende Wanderarbeiter. Sie kommen aus den weniger entwickelten Ländern Südost- und Südasiens (z.B. den Philippinen, Sri Lanka, Nepal), aber auch aus der Mongolei und China. Die Regierung Südkoreas wirbt sie mit Dreijahresverträgen an; diese enthalten Bestimmungen, die die Wanderarbeiter in mehrfacher Hinsicht benachteiligen. So dürfen sie ihren Arbeitsplatz nur dreimal und nur dann wechseln, wenn der bisherige Arbeitgeber einverstanden ist. Bei Streitigkeiten mit diesem besteht die Gefahr, dass er die Behörden informiert und die Arbeiter abgeschoben werden. Viele Arbeitgeber nehmen den Neuankömmlingen die Pässe ab, so dass sie ihnen völlig ausgeliefert sind. Schikanen wie das Einbehalten des Lohns, geringere Bezahlung als für Koreaner bis hin zu Schlägen und sexueller Belästigung kommen immer wieder vor. Anspruch auf medizinische Versorgung besteht zwar, die Praxis sieht jedoch oft anders aus. Aus diesen Gründen tauchen zahlreiche Wanderarbeiter in die Illegalität ab, da sie dort weniger schikaniert werden und mehr verdienen. Allerdings laufen sie dann Gefahr, bei Razzien, die in den letzten Jahren verstärkt durchgeführt wurden, sofort ausgewiesen zu werden; bei den Festnahmen kommt es häufig zu unmenschlicher Behandlung. 2008 kündigte die Regierung an, bis 2012 die Hälfte der Arbeitsmigranten abzuschieben, was etwa 220 000 Personen betrifft.

Migrant Workers verrichten Arbeiten, die ihre südkoreanischen Kollegen meiden: Die sogenannten 3-d-Arbeiten (dirty = schmutzig, difficult = schwierig, dangerous = gefährlich). Die Unfallgefahr ist unverhältnismäßig hoch, auch deswegen, weil Neulinge nur kurz an den Maschinen angelernt werden.

Um ihre Situation zu verbessern, gründeten einige Wanderarbeiter eine Gewerkschaft, die Migrant Workers Trade Union (MTU). Die südkoreanischen Gewerkschaften unterstützten sie darin. Dennoch wurden bis jetzt alle Gewerkschaftsführer, sobald ihre Identität bekannt wurde, sofort ausgewiesen. So deportierte die Regierung im Mai 2008 unter Vorwänden den Nepalesen Torna Limbu und den Bangladeshi Abdus Sabur, Präsident und Vizepräsident der MTU, obwohl die Nationale Menschenrechtskommission Südkoreas die Aussetzung der Abschiebung gefordert hatte. Zuvor sollten die Vorwürfe der beiden, dass sie bei ihrer Festnahme von Beamten der Einwanderungsbehörde geschlagen worden seien, untersucht werden.

Das Verfassungsgericht in Seoul stellte zwar fest, dass die Migrantengewerkschaft als legal anzuerkennen sei, die Regierung hält sich aber nicht daran. Deswegen startet Amnesty International nun schon eine zweite Eilaktion, um die Ausweisung des jetzigen Präsidenten der Gewerkschaft Michel Cuira von den Philippinen zu verhindern. Zwar hat ein Verwaltungsgericht am 2. März per einstweiliger Anordnung die Abschiebung untersagt; diese gilt aber nur solange, bis über seinen Einspruch gegen die Aberkennung seines Aufenthaltstitels entschieden ist. Dem Gewerkschafter droht somit weiterhin die Ausweisung.

Helfen Sie mit.

Musterbrief:

Sehr geehrter Herr Minister Lee, in Südkorea leben tausende Wanderarbeiter aus anderen Ländern und leisten ihren Beitrag für die moderne Industrie Ihres Landes. Doch ihre Arbeitsbedingungen sind häufig schlecht. Vielen Arbeitern werden ihre Pässe abgenommen, sie werden geschlagen, sexuell belästigt oder ihnen wird der (vollständige) Lohn verweigert. Um ihre Situation zu verbessern, gründeten einige Wanderarbeiter eine Gewerkschaft, die Migrant Workers Trade Union (MTU). Doch bis jetzt ist diese Gewerkschaft nicht anerkannt, ihre Anführer wurden, sobald ihre Identität bekannt wurde, abgeschoben bzw. aktuell mit Abschiebung bedroht. Dabei sind faire Arbeitsbedingungen, das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit und das Recht eine Gewerkschaft zu gründen und in ihr aktiv zu werden, elementare Menschenrechte, die in Art. 23 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu finden sind. Auch Südkorea hat diese Erklärung unterzeichnet. Ihr Verhalten gegenüber der MTU verstößt auch gegen den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte und die Konvention Nr. 135 der Internationalen Arbeitsorganisation, die beide ebenfalls von Südkorea anerkannt wurden.

Deshalb fordere ich Sie auf,

- die Gewerkschaft der Wanderarbeiter, MTU, unverzüglich und vorbehaltlos anzuerkennen.
- keine Vertreter oder Mitglieder der Gewerkschaft aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Tätigkeit abzuschieben.
- sich für ein Ende der Drangsalierungen der Wanderarbeiter einzusetzen und ihre Situation endlich zu verbessern.

Hochachtungsvoll

Adresse:

Minister of Justice
LEE Kwi-nam
Ministry of Justice
Gwacheon Government Complex
88 Gwanmoon-ro, Gwacheon
Gyeonggi Province 427-720
Republic of Korea
Fax: +82-2-503-3532/7023
Email: webmaster@moj.go.kr