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Bangladesch: Arbeitskampf in Textilfabriken
(August 2010)

In den vergangenen Wochen wurden nach gewalttätigen Straßenprotesten in und um Dhaka mindestens 21 TextilarbeiterInnen und ArbeitsrechtsaktivistInnen inhaftiert. Ihnen drohen Folter und Misshandlung.

Verhaftungen von TextilarbeiterInnen

Laut der Polizei wurden in den vergangenen Wochen 21 ArbeiterInnen aus der Textilindustrie verhaftet, aber die tatsächliche Anzahl der Verhafteten wird auf viel höher geschätzt.

Mindestens sechs inhaftierte Textilarbeiterinnen, darunter eine schwangere Frau, wurden von PolizistInnen während der Verhöre geschlagen. Eine Frau soll schwere Verletzungen davon getragen haben, ihr wurde aber medizinische Behandlung verwehrt.

Anwalt in gesundheitsgefährender Haft

Der Anwalt Montu Ghose, der das Gewerkschaftszentrum der TextilarbeiterInnen berät, wurde Ende Juli 2010 inhaftiert. Er soll im Polizeigewahrsam misshandelt worden sein, unter anderem durch anhaltenden Schlafentzug. Obwohl er aufgrund eines Schlaganfalls vor einigen Monaten dringend fachärztliche Behandlung benötigt, wird Montu Ghose nicht medizinisch versorgt.

Untergrund und Morddrohungen

Einige ArbeiterInnen und AktivistInnen sind in den Untergrund gegangen. Mehrere AktivistInnen oder ihre Angehörigen erhielten Telefonanrufe von den Sicherheitskräften, in denen sie mit dem Tod bedroht wurden.

Düstere Aussichten

Die Polizei kündigte an, dass sie plant, "mehrere tausend" Personen wegen Vandalismus, Brandstiftung und Plünderung während der Straßenproteste anzuklagen.

Kampf um existenzsichernden Mindestlohn

In den vergangenen Monaten gingen ArbeiterInnen der Textilfabriken in den Straßen von Dhaka und den angrenzenden Gebieten für Arbeitsrechte und Lohnerhöhungen auf die Straße. Die Demonstrationen verliefen zum Teil gewalttätig, etwa als die ArbeiterInnen eine wichtige Verkehrsader blockierten, Fahrzeuge und Geschäfte zerstörten und sich tätliche Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten. Der Polizei wird die Anwendung von exzessiver Gewalt vorgeworfen. Zahlreiche Demonstrierende und PolizistInnen erlitten bei den Protesten Verletzungen.

Die Proteste der tausenden ArbeiterInnen führten Ende Juni zur zeitweiligen Schließung von etwa 700 Textilfabriken.

Die ArbeiterInnen fordern eine Erhöhung des monatlichen Mindestlohns auf 5.000 Taka (etwa 55 Euro), um die Lebenshaltungskosten decken zu können. Ende Juli 2010 kündigte die Regierung an, dass ab November 2010 der monatliche Mindestlohn in der Bekleidungsindustrie von 1.662,50 Taka (etwa 19 Euro) auf 3.000 Taka (etwa 34 Euro) steigen würde. Die TextilarbeiterInnen halten diese Erhöhung für zu niedrig und gingen erneut auf die Straße.

Die SprecherInnen der Bewegung sind der Meinung, dass die Regierung die Proteste unter dem Vorwand der Eindämmung von Gewalt unterbindet.

Helfen Sie mit.
Diese Aktion läuft bis zum 4. Oktober 2010.
Amnesty International billigt die Gewalt nicht, zu der es bei diesen Protesten kam, fordert jedoch die Regierung von Bangladesch dringend auf sicherzustellen, dass niemand im Gewahrsam gefoltert oder misshandelt und ohne Anklage wegen einer als Straftat anerkannten Handlung in Gewahrsam gehalten wird.

Appellieren Sie an die Behörden in Bangladesh.

Einen Online-Appell können Sie auch von http://www.amnesty.org.uk/actions_details.asp?ActionID=714&LetterID=662? abschicken.

Adressen:
Innenminister

Minister of Home Affairs
Shahara Khatun
The Government of the Peoples Republic of Bangladesh
The Bangladesh Secretariat
Dhaka-1000
Bangladesch
Fax: (00 88 02) 716 0405 oder (00 88 02) 716 4788
E-Mail: minister@mha.gov.bd

Polizeipräsident
Inspector General of Police (IGP)
Bangladesh Police
Police Headquarters
Fulbaria
Dhaka-1000
Bangladesch
Fax: (00 88 02) 956 3362 oder (00 88 02) 956 3363

Mustertext:

Dear Minister / Dear Inspector General,
I am writing to express my grave concern at the treatment of garment workers involved in street protests concerning their labour rights.
I call on you to uphold and protect individuals' peaceful exercise of the right to freedom of assembly and association, and to immediately release the individuals detained in connection with recent demonstrations unless they are charged with a recognizably criminal offence and tried in accordance with international standards. I call on you to further ensure that all garment factory employees, labour rights activists and their families are protected from threats from security forces or employers.
Regarding those who have been detained, I call on you to protect them from torture or other ill-treatment and to provide all detainees with access to their families, lawyers of their choice, and to adequate medical care.
Finally, I call on you to ensure a prompt, impartial and effective investigation into reports of the torture of individuals in custody and of the harassment and intimidation of individuals and their families, with those found responsible brought to justice.
Yours sincerely,